VB_Versuch_eines_Angriffes_2_2 VB_Fotografie_ist_eine_Haltung was tun DSC_2501_160711web Kopie 15 x 12 cm geschlossen, 144 x 15 cm geöffnet, 24 Seiten, Cyanotypie Linolschnitt Video, 2015 VB_hier gibt es nichts zu sehen VB_Pretty_Raw © Johannes Raimann 2013 VB_Auflösung © Johanns Raimann 2011 VB_Styx

Das Glasperlenspiel

Sprachexperimente

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Das Glasperlenspiel stellt eine Chiffre für eine Universalsprache dar. Das Glasperlenspiel gibt den Spielern die Möglichkeit alles Auszudrücken und somit vergleichbar und vernetzbar zu machen. „Beim Glasperlenspiel muss alles möglich sein, auch, dass etwa eine einzelne Pflanze sich mit Herrn Linné auf lateinisch unterhält.“(Das Glasperlenspiel; Shurkamp; 9.Auflage 2002 S139 )  So begann ich mich mit Sprache zu beschäftigen. Ich überlegte mir: Wenn es eine Universalsprache gibt, wie wird sie wohl geschrieben? Welche Zeichen benutzt sie? Und wie viele Zeichen umfasst sie? Um das herauszufinden machte ich einige Experimente:

 

1. Zufall

Ich bin von der Annahme ausgegangen, dass Sprache ganz tief in uns verwurzelt ist. Daher ist es nicht möglich, zufällig Schriftzeichen aneinander zu reihen. Der Selbstversuch gab mir Recht. Es ist unmöglich, zufällig Zeichen aneinander zu reihen. Sobald die Konzentration auch nur ein wenig nachlässt beginnt man unterbewusst sinnbelastete Zeichenkombinationen zu bilden. Unsere bisherige Lebenserfahrung schränkt also bereits alle möglichen Zeichenkombinationen auf die denkbar Möglichen ein. Daraus ergibt sich, dass selbst in der Universalsprache nicht über alles gesprochen werden kann, solange sie von Menschen gesprochen wird.

Für meinen Entwurf bedeutet das, dass dieser über eine Zufallskomponente verfügen muss.

 

2. Ornament

Um mich von der geschriebenen Sprache zu lösen, machte ich ein weiteres Experiment. Ich nahm ein leeres Blatt und begann zu zeichnen. Ziel meines Experimentes war es, die Grenzen des geschriebenen Wortes zu brechen. Ich begann also zu zeichnen, um herauszufinden, wo die Grenzen meiner graphischen Sprache sind. Ich machte mich auf die Suche nach der Sprache, die in mir ist.

Bei dieser Tätigkeit entwickelte ich die Theorie, dass es einen direkten Zusammenhang gibt, zwischen kulturell bedingten Denkmustern und den Ornamenten, die diese Kultur verwendet.

 

3. Umschreiben

Was passiert, wenn eine Textur, bestehend aus unregelmässign, eckigen Formen, auf einen Kreis trifft? Oder- Wie umschreibt Sprache das Unsagbare? Aus der Sicht dieser Textur ist der Kreis unsagbar, und dennoch kann diese Textur den Kreis versuchen zu umschreiben. Die Textur kann den Kreis zwar nicht in seiner Rundung auflösen, kann sich dieser aber annähern. Diese Annäherung ist jedoch auch nur begrenzt sinnvoll, da der Charakter des Kreises verloren geht, und der Kreis nicht rund abgebildet werden kann.

 

Meine Formensprache gliedert sich in 3 Zeichengruppen, die aus den drei Experimenten hervorgehen.

 

1. Ziffern und Buchstaben.

Sie sind so tief in unserem Bewusstsein mit Sprache verknüpft, dass sich dieses Band nicht durchtrennen lässt.

 

2. Geometrische und technische Elemente.

Bei diesen Elementen dienten mir Leitplatinen als Vorbild. Leitplatinen zeigen den Weg, den Information geht, und welche Stationen sie passieren muss. Mir war es wichtig diese verbindenden Teile zu eigenständigen Elementen zu erheben. Sie werden so Transporteur und Erzeuger von Information.

 

3. Zufallselemente

Sie bilden eine Art Blackbox. Da ich nur jene Zeichen verwenden kann, die ich mir auch vorstellen kann habe, ich versucht immer wieder Zeichen einzubauen, die durch Zufall entstehen. Diese Zeichen erweitern die Zahl der möglichen Zeichen. Exponentiell dazu steigt die Anzahl der möglichen Kombinationen. So wird durch den Einsatz von zufälligen Zeichen der „Wortschatz“ erweitert und neue Information generiert.

 

Die Grammatik

Grammatik ist ein Regelsystem, welches die Elemente einer Sprache ordnet. Sie erzeugt Sinn durch die Anordnung der Elemente. Was passiert, wenn ich die Anzahl der Regeln auf zwei reduziere? Die erste Regel besagt: Die Elemente müssen sich in einem vorher bestimmten Format befinden. Die Zweite lautet: Die Sprache funktioniert generisch. Die Werkzeugspitze bildet den Ereignishorizont. Das was auf dem Stein oder Blatt passiert, nimmt auf das bereits Gezeichnete und Gemalte Bezug. So reiht sich optisch und zeitlich Element an Element.